Vor 20 Jahren erhielten sieben Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs einen experimentellen Impfstoff – und alle leben noch
Mehr als zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit sieben Frauen mit **metastatischem Brustkrebs** an einer klinischen Studie der Duke University School of Medicine teilnahmen und einen experimentellen Immuntherapie-Ansatz erhielten. Zu jener Zeit waren die therapeutischen Optionen begrenzt, und die Aussicht auf Langzeitüberleben war gering. Der Impfstoff war kein Standardmedikament, sondern eine **personalisierte Immuntherapie**, hergestellt aus den eigenen Immunzellen der Patientinnen und darauf ausgelegt, **HER2** anzugreifen. Die Studie war als explorativer klinischer Versuch konzipiert und nicht als potenzielle Standardbehandlung. Sie wurde nach Abschluss des Protokolls weder fortgeführt noch in die breitere klinische Praxis übernommen.
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Der klinische Versuch: Eine personalisierte Immuntherapie gegen HER2
Der Impfstoff war kein Standardmedikament, sondern eine **personalisierte Immuntherapie**, hergestellt aus den eigenen Immunzellen der Patientinnen. Sie zielte darauf ab, **HER2** zu erkennen, ein Protein, das mit aggressiven Formen von Brustkrebs in Verbindung steht. Alle sieben Frauen erhielten den Impfstoff im Rahmen eines klinischen Protokolls. Zum Zeitpunkt der Verabreichung gab es keinen Hinweis darauf, dass die Behandlung zu einer langfristigen Krankheitskontrolle führen würde. Die Studie war als explorativer klinischer Versuch konzipiert, nicht als potenzielle Standardtherapie. Nach Abschluss des Protokolls wurde der Impfstoff weder weiterverwendet noch in die breitere klinische Praxis übernommen.
Jahre der Unbeachtung
In den folgenden Jahren verlor die klinische Studie weitgehend aus dem Blickfeld der medizinischen Gemeinschaft. Es gab keine verlängerten Studienphasen, keine großen Nachfolgeprogramme und keine kommerzielle Entwicklung des Impfstoffs. Die Patientinnen führten ihr Leben weiter; manche erhielten zusätzliche Therapien, andere lebten mit chronischer Erkrankung, aber eine Tatsache blieb jahrzehntelang unbeachtet: **Keine der sieben Frauen starb an ihrem Krebs**.
Die erneute Untersuchung
Fast zwei Jahrzehnte später überprüften Forscher der Duke Health die Daten der alten klinischen Studie erneut. Der Grund war einfach und ungewöhnlich: Alle sieben Frauen waren noch am Leben. Im Kontext von metastasierendem Brustkrebs ist ein solches Ergebnis äußerst selten. Das veranlasste das Forschungsteam, zu untersuchen, ob ein gemeinsamer biologischer Mechanismus die lange Überlebenszeit erklären könnte.
Was die Analysen enthüllten
Als Wissenschaftler das **Immunsystem** der Frauen untersuchten, stellten sie fest, dass die Patientinnen auch nach mehr als zwanzig Jahren noch aktive Immunzellen besaßen, die **HER2** erkennen konnten. Von besonderem Interesse waren Immunzellen, die den Marker **CD27** exprimierten, der mit langlebigem Immun-Gedächtnis assoziiert ist. Diese Befunde deuten darauf hin, dass der Impfstoff nicht als Kurzzeittherapie gewirkt haben könnte, sondern eine dauerhafte Veränderung darin bewirkte, wie das Immunsystem Krebs erkennt. Forscher merkten an, dass dieses stabile Immun-Gedächtnis eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Krankheit über viele Jahre hinweg gespielt haben könnte.
Warum die Weiterentwicklung nicht fortgeführt wurde
Trotz dieses Ergebnisses wurde der Impfstoff in den folgenden Jahren nicht weiterentwickelt. Duke Health hat keine abschließende, definitive Erklärung geliefert. Zu jener Zeit standen Krebsimpfstoffansätze vor erheblichen wissenschaftlichen, technischen und logistischen Hürden, und die Industrie konzentrierte sich auf Therapien, die leichter zu standardisieren und einzusetzen waren. Die Tatsache, dass das Ergebnis erst Jahrzehnte später sichtbar wurde, erschwerte zudem den Aufbau einer klaren Ursache-Wirkungs-Beziehung unter den damaligen klinischen Standards.
Welche Fragen stellen sich heute
Die Tatsache, dass alle sieben Frauen länger als 18–20 Jahre überlebt haben, wirft neue Fragen zur Rolle von Impfstoffen in der Krebsbehandlung auf. Warum wurde dieses klinische Signal nicht durch größere Studien bestätigt? Warum blieb der Impfstoff auf eine einzige, kleine Studie beschränkt? Und hat die moderne Onkologie mit den heutigen immuntherapeutischen Mitteln endlich die Kapazität, dort fortzufahren, wo diese Geschichte aufgehört hat? Dies ist nicht die Geschichte einer fertigen Lösung. Es ist die Geschichte eines Ergebnisses, das nicht den Erwartungen entspricht — und daher Antworten fordert.