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Vom Schlucken lebender Fische bis zum 'Heilen' von Asthma und dem Bad im Heu – die seltsamsten Gesundheitsmittel der Welt, die wir kennen

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Fortschritte in der modernen Medizin verlängern das Leben wie nie zuvor – mit neuen Heilmitteln und Therapien, die täglich entdeckt werden. Der Weg, die Geheimnisse des menschlichen Körpers zu entschlüsseln, war jedoch alles andere als geradlinig. Seit Jahrhunderten wenden Menschen weltweit seltsame und wunderbare Heilmittel an. Von live Fischen, die ganz geschluckt werden, über die 'Behandlung' von Asthma in Indien bis hin zu fermentiertem Babymäusewein in China – einige dieser altertümlichen Heilmittel existieren noch immer und bleiben bizarr wie eh und je. Einige Traditionen, wie Irlands jahrhundertealte Seetangbäder, erleben eine moderne Wiederbelebung. Andere existieren nur in abgelegenen Gemeinschaften, die sie fest verteidigen. Bevor Antibiotika und moderne Wissenschaft existierten, wurden sie genutzt – egal wie seltsam, schleimig oder magenstörend sie erschienen. Hier werfen wir einen Blick auf einige der seltsamsten Heilmittel, die einst weltweit verwendet wurden.

Vom Schlucken lebender Fische bis zum 'Heilen' von Asthma und dem Bad im Heu – die seltsamsten Gesundheitsmittel der Welt, die wir kennen

Schneckensirup in Deutschland

Mit Erstaunen – und gelegentlichem Entsetzen – vieler Außenstehender wird Schneckensirup in Deutschland noch immer als traditionelles Heilmittel gegen Halsschmerzen und hartnäckigen Husten verwendet. Die dickflüssige, glänzende Flüssigkeit wurde einst hergestellt, indem lebende Schnecken mit Zucker zerstoßen wurden, wodurch eine schleimreiche Mischung entstand, die angeblich gereizte Kehlen bedeckt und beruhigt. Heutzutage sind die Versionen glücklicherweise feiner, üblicherweise kommerziell aus Schneckenextrakt hergestellt statt aus ganzen gequetschten Tieren. Dennoch bleibt das Prinzip dasselbe: Befürworter glauben, dass Verbindungen im Schnecken-Schleim helfen, Schleim zu verdünnen, Entzündungen zu beruhigen und Husten zu reduzieren. Für viele deutsche Familien bleibt ein Löffel Schneckensirup so vertraut wie Honig und Zitrone anderswo – ein Relikt der Volksmedizin, das bis in die Moderne überlebt hat, trotz anhaltender Skepsis von Seiten der Ärzte.

Schneckensirup in Deutschland

Heubäder in Südtirol

In Südtirol, nördlich von Italien, gehören Heubäder seit Jahrhunderten zum lokalen Lebensstil, seit Tyroleaner Bauern zuerst die wärmende, beruhigende Wirkung frischen Alpenheuers entdeckten. Nach langen Tagen in den Bergen legten sich die Bauern in Haufen frischen Heus, bemerkten, dass es ermüdete Muskeln, steife Gelenke und Erschöpfung linderte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine anerkannte lokale Therapie. Moderne Heubäder sind deutlich luxuriöser als ihre Ursprünge: Gäste wickeln sich in warmes, dampfendes, kräuterduftendes Heu, das ätherische Öle aus Alpenpflanzen wie Thymian, Arnika und Wildblumen freisetzt, während es Wärme erzeugt. Befürworter sagen, die Behandlung helfe bei rheumatischen Schmerzen, stimuliert die Durchblutung und fördert tiefe Entspannung – ein rustikales Spa-Ritual, das über Jahrhunderte verfeinert wurde und heute Touristen als natürliche Wellness-Therapie dient.

Heubäder in Südtirol

Mumia – Pulver aus menschlichen Überresten

Für Jahrhunderte in Europa und dem Nahen Osten galten pulverisierte menschliche Überreste als legitimes medizinisches Behandlungsmittel – mit ägyptischen Mumien im Zentrum des grausigen Handels. Von den Mittelalters bis zum 18. Jahrhundert verschrieben Ärzte 'mumia' – ein dunkles Pulver, hergestellt durch das Mahlen embalmierten Körpers – als Heilmittel gegen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, innere Blutungen und die Pest. Der Glaube entstand aus einer Fehlübersetzung: Mittelalterliche Ärzte verwechselten 'mummiya', ein natürliches Bitumen, das in der Medizin verwendet wurde, mit tatsächlich mumifizierten Leichen. Demzufolge explodierte die Nachfrage, was zu weit verbreiteten Grabraub führte und sogar zur Herstellung gefälschter Mumien aus kürzlich Verstorbenen. Patienten wurde gesagt, die antiken Überreste besäßen heilende Kräfte, erhalten durch den Embalmiungsprozess. Die Praxis fiel schließlich in Ungnade, als medizinische Wissenschaft fortschritt – aber nicht bevor unzählige antike Körper in diesem Namen konsumiert wurden.

Mumia – Pulver aus menschlichen Überresten

Senfbad in England – uraltes Hausmittel

In England bleibt das bescheidene Senfbad eines der ältesten Heimheilmittel des Landes. Traditionell wird gemahlener Senf mit heißem Wasser gemischt, wodurch ein wärmendes, prickelndes Gefühl entsteht, das die Durchblutung der Haut anregt. Gläubige behaupten, es helfe, den Körper zu entgiften, Erkältungen und Grippe-Symptome zu lindern, muskuläre Beschwerden zu beruhigen und müde Gliedmaßen zu beleben – die viktorianische Antwort auf moderne Erkältungsmittel. Auch heute schwören viele darauf, dass ein Senfbad vor dem Schlafengehen die Winterkrankheit aus dem Körper schwitzen und am Morgen wie neu geboren fühlen lasse.

Senfbad in England – uraltes Hausmittel

Lama-Fett in ländlichen Bolivien

In ländlichen Teilen Boliviens wird seit Jahrhunderten Lama-Fett als traditionelles Heilmittel verwendet, das vor Krankheit und Unglück schützen soll. Aus dem Fett gewonnenes Lama-Fett wird auf Brust oder Rücken eingerieben, um Erkältungen, Gelenkschmerzen und Atemprobleme zu behandeln, während gelegentlich kleine Mengen bei traditionellen Ritualen verzehrt werden. Die Einheimischen glauben, dass die Stärke und Ausdauer des Tieres auf den Menschen übertragen wird. Das Fett wird auch als Opfergabe an Pachamama – Mutter Erde – bei Zeremonien verwendet, die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Schutz vor Schaden bringen sollen. Obwohl es von der modernen Medizin abgelehnt wird, ist die Praxis tief in der Andenkultur verwurzelt und wird über Generationen hinweg sowohl als physisches Heilmittel als auch als spiritueller Schutz weitergegeben.

Lama-Fett in ländlichen Bolivien

Hongkongs getrocknete Eidechsensuppe – eine der ungewöhnlichsten medizinischen Brühen

Hongkongs getrocknete Eidechsensuppe gilt weithin als eine der ungewöhnlichsten medizinischen Brühen der Region. Ganze Eidechsen werden getrocknet, bis sie knusprig sind, und dann mit Yamswurzel, roten Datteln und Zwiebeln zu einer würzigen, leicht süßen Suppe gekocht, von der gesagt wird, sie stärke Energie und den Körper wiederherstelle. Unterstützer sagen, dass sie Halsschmerzen lindert, Husten beruhigt und das Immunsystem stärkt – was sie zu einem beliebten Wintertonikum macht. Für die volle Wirkung soll ein männliches und ein weibliches Exemplar in den Topf gegeben werden.

Hongkongs getrocknete Eidechsensuppe – eine der ungewöhnlichsten medizinischen Brühen

Roter Garra – der als 'doctor fish' bekannte Heilfisch aus Kangal

Der Einsatz des roten Garra – besser bekannt als 'doctor fish' – begann in der Türkei's Kangal-Region, wo Einheimische bemerkten, dass die Fische sanft an beschädigter Haut knabbern. Bald strömten Reisende mit Psoriasis, Ekzemen und anderen Hauterkrankungen zu Bergbecken, um Linderung zu finden. Heute hat die Behandlung weltweite Verbreitung gefunden. Da die Fische nur abgestorbene Haut abtragen und gesunde Haut unberührt lassen, empfinden viele Spa-Gänger die Erfahrung als überraschend beruhigend. Befürworter behaupten, es verbessere die Durchblutung, glätte die Haut und könne bei manchen sogar chronischen Juckreiz lindern.

Roter Garra – der als 'doctor fish' bekannte Heilfisch aus Kangal

Frosch-Tonikum in den Anden

In den Anden hoch oben schwören einige peruanische Dörfer immer noch auf ein Frosch-Tonikum als Lösung für eine Reihe von Gesundheitsbeschwerden. Die Mischung – oft hergestellt aus frischen Fröschen, Maca-Wurzel, Honig und lokalen Kräutern – soll den Körper revitalisieren, die Energie steigern und das Immunsystem stärken. Befürworter behaupten, Froschsaft könne bei allem helfen, von Anämie und Bronchitis bis hin zu niedrigem Libido und brüchigen Knochen. Es wird lokal als eine Art Allheil-Schnelltrank verkauft – doch da der Titicaca-Wasserfrosch heute gefährdet ist, raten Naturschützer dringend von seiner weiteren Nutzung ab.

Frosch-Tonikum in den Anden