Kellnerin löst Empörung aus – 15 Prozent reichen offenbar nicht
Amerikaner nähern sich laut Berichten einem tipping point. Vor der Pandemie galt 15 Prozent als weitgehend akzeptabel – sogar großzügig – für durchschnittlichen Service. Heute sagen viele Diners, dass alles unter 20 Prozent als Beleidigung gilt. Gäste im G&M Restaurant Linthicum Heights in Maryland waren empört, als sie die Rechnung über 260 US-Dollar erhielten, bei der die Option für 15 Prozent Trinkgeld vom Kellner gestrichen war. Die Gäste sagten, dass ihre Kellnerin freundlich war und der Service als „angemessen gut“ beschrieben wurde, jedoch „nichts Hervorragendes“. Als die Rechnung zurückgegeben wurde, war der 15‑Prozent‑Trinkgeldbetrag – 36,75 US-Dollar – herausgerissen worden. Es habe den Eindruck erweckt, so die Gäste, als ob er „nicht gut genug“ sei. Die Kellnerin hatte außerdem „Danke“ auf dem Beleg vorab geschrieben – eine Geste, die die Gäste als „eingebildet“ und „wütend machend“ beschrieben. „Ich war nicht derjenige, der diese Rechnung bezahlt hat, sonst hätte ich dafür alleine eine glatte Null gegeben“, klagte einer der Gäste auf Reddit. "Nur ein Jahrzehnt zuvor galt 15 Prozent als Standard-Tipp für durchschnittlichen Service. Jetzt ist diese Zahl auf 20 Prozent gestiegen – oft darüber hinaus."
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Wut am Tisch in Maryland: Details zum Rechnungsvorfall
Nur ein Jahrzehnt zuvor galt 15 Prozent als Standard-Tipp für durchschnittlichen Service. Jetzt ist diese Zahl auf 20 Prozent gestiegen – oft darüber hinaus. Der Vorfall wurde zu einem Symbol der wachsenden Gegenbewegung gegen die sogenannte „Tipflation“ – die zunehmende Erwartung, öfter, höher und in mehr Situationen Trinkgeld zu geben. Die Diskussionen in Online-Foren enthielten scharfe Beobachtungen: „Es ist einfach verrückt, zu glauben, dass sie 50 Dollar verdienen, nur weil sie eine Handvoll Teller herbringen und Getränke nachfüllen.“ „Ich frage mich, wie viele Servicemitarbeiter verstehen, wie abschreckend dieses Anspruchsdenken ist.“ „Es ist verrückt, wie normalisiert die Idee des Trinkgeldgebens bei jeder Transaktion mit Essen wird, selbst wenn kein Service beteiligt ist. Am besten bricht man dem Ganzen entgegen, indem man kein Trinkgeld gibt.“ „Ich werde nie verstehen, warum, wenn ich etwas Teureres bestelle, man ein besseres Trinkgeld erwartet – die Teller wiegen ja nichts.“
Weitere Beispiele der Trinkgeld-Debatte: Pizza-Abholung und Frozen Yogurt
Die Debatte weitet sich auf andere Branchen aus. So berichten Kunden, dass sie bei Abholungen oder Selbstbedienung zum Trinkgeld gedrängt werden – auch wenn kein direkter Service erfolgt. In einem Beispiel wurden Kunden beim Bezahlen einer Pizza für Abholung mit der Meldung konfrontiert: „Don’t forget a tip!“ Es gab Optionen von 15, 20 oder 35 Prozent – zusätzlich war ein Feld „Custom“ vorhanden, aber keine Möglichkeit, nichts einzugeben. „Wie kann es ein Trinkgeld sein, wenn ich keine Wahl habe?“, fragte der Kunde auf Reddit. Self-serve Frozen-Yogurt-Läden stehen ebenfalls im Fokus: Chains wie 16 Handles und Yogurtland werden kritisiert, weil Gäste zum Trinkgeld gebeten werden, obwohl sie das Frozen Yogurt selbst auswählen und Toppings hinzufügen – die Arbeiter scoopen bekanntlich nicht. „Für was eigentlich?“, fragten Online-Froyo-Fans, die argumentieren, dass die Arbeitnehmer kein Servieren übernehmen.
Umfrage zeigt: Wie weit ist die Trinkgeldkultur wirklich gegangen
Eine Umfrage des vergangenen Jahres zeigte, dass drei Viertel der Amerikaner glauben, dass die Trinkgeldkultur zu weit gegangen ist. Die Forschung fand auch heraus, dass zwei von drei Amerikanern oft ‚Schuld-Tipp‘ geben – sie fühlen sich durch Aufforderungen an Check-out‑Maschinen gezwungen, Trinkgeld zu geben. Diese Ergebnisse untermauern den gesellschaftlichen Trend der sogenannten Tipflation – eine wachsende Erwartung, in immer mehr Kontexten Trinkgeld zu geben.