Asteroidenbergbau auf dem Prüfstand – Ist die Zukunft des Weltraumhandels wirklich machbar
Vor einigen Jahren war der Asteroidenbergbau in aller Munde. Der kommerzielle Weltraumsektor wuchs rasch, und die Idee, Plattformen und Raumfahrzeuge zu entwickeln, die sich mit Near‑Earth Asteroids (NEAs) treffen, deren Rohstoffe in weltraumgestützten Schmieden verarbeiten und zurück ins All transportieren könnten, stand ganz oben auf der Liste – fast so real wie bemannte Missionen zum Mars. Nach vielen Spekulationen und dem Scheitern mehrerer Vorhaben geriet das Thema zunächst in den Hintergrund, bis die Technologie die notwendigen Meilensteine erreicht. Die Träume von Bergbau und einer postknappheids Zukunft bleiben jedoch bestehen. In einer aktuellen Studie analysierte ein Team unter Leitung des Institute of Space Sciences (ICE‑CSIC) Proben von C‑Typ‑Asteroiden, die 75 Prozent der bekannten Asteroiden ausmachen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Asteroiden eine wichtige Rohstoffquelle sein könnten. Die Arbeit, die am 2. Januar in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (MNRAS) erscheinen wird, stützt diese Einschätzung.
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C‑Typ‑Asteroiden Kohlenstoffreich Eine potenzielle Rohstoffquelle
C‑Typ‑Asteroiden sind kohlenstoffreich und machen etwa drei Viertel der bekannten Asteroiden aus. Carbonaceous chondrites fallen regelmäßig zur Erde, obwohl sie nur 5 Prozent aller Meteoriten ausmachen; ihre Fragilität führt dazu, dass sie oft zerfallen und verloren gehen. Bislang wurden die meisten dieser Meteoriten in Wüstenregionen wie der Sahara oder in der Antarktis gefunden. Die Asteroids, Comets and Meteorites‑Gruppe des ICE‑CSIC forscht an den physikochemischen Eigenschaften von Asteroiden und ist internationales Lager für NASAs Antarktis‑Meteoriten‑Sammlung. In dieser neuesten Studie wurden die Asteroidenproben ausgewählt und charakterisiert und dann von Professor Jacinto Alonso‑Azcárate an der Universität Castilla‑La Mancha mittels Massenspektrometrie analysiert. Ziel war es, die genaue chemische Zusammensetzung der sechs häufigsten Klassen von C‑Chondriten zu bestimmen und zu prüfen, ob ein Ressourcenabbau künftig möglich sein könnte.
Forscherteam und Paper Das Paper erscheint bald
Das Team um Dr. Josep M. Trigo‑Rodríguez, theoretischer Physiker am ICE‑CSIC und IEEC in Barcelona, wird von PhD‑Schüler Pau Grèbol‑Tomàs (ebenfalls ICE/IEEC) begleitet. Zudem gehören Dr. Jordi Ibanez‑Insa (Geowissenschaften Barcelona), Prof. Jacinto Alonso‑Azcárate (Universidad de Castilla‑La Mancha) und Prof. Maria Gritsevich (University of Helsinki und Institute of Physics and Technology, Ural Federal University) zum Autorenkreis. Ihre Arbeit wird in einem Paper veröffentlicht, das am 2. Januar in der Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (MNRAS) erscheinen soll. Die Gruppe, die das Asteroiden‑ und Meteoritenforschungsprogramm am ICE‑CSIC leitet, ist das internationale Repository für NASA‑Antarktismeteoriten.
Ergebnisse der Studie Was sie bedeuten und was nicht
Nach den Ergebnissen des Teams ist das Bergbau an undifferenzierten Asteroiden weit davon entfernt, realisierbar zu sein. Die Studie identifiziert außerdem einen Asteroiden‑Typ, der reich an Olivin‑ und Spinell‑Bändern ist, als potenzielles Ziel für Bergbauoperationen. Zudem sollten wasserreiche Asteroiden mit hohen Konzentrationen wasserhaltiger Minerale bevorzugt ausgewählt werden. Die Forscher betonen, dass weitere Probenrückführmissionen nötig sind, um die Identität der Vorläuferkörper zu verifizieren, bevor ein Bergbau realisiert werden kann. „Neben dem durch Probenrückführmissionen gezeigten Fortschritt sind Unternehmen nötig, die entschlossene Schritte in der technologischen Entwicklung unternehmen können, um diese Materialien unter niedrigen Gravitation zu extrahieren und zu sammeln. Die Verarbeitung dieser Materialien und der anfallende Abfall würden ebenfalls eine signifikante Auswirkung haben, die quantifiziert und entsprechend gemindert werden muss.“
Vorteile, Herausforderungen und Zukunft des Bergbaus
Für bestimmte wasserreiche kohlenstoffhaltige Asteroiden scheint die Wassergewinnung zur Wiederverwendung sinnvoller zu sein, sei es als Treibstoff oder als primäre Ressource für die Erkundung anderer Welten. Dies könnte der Wissenschaft auch mehr Wissen über bestimmte Körper liefern, die eines Tages unsere Existenz bedrohen könnten. Langfristig könnten wir sogar potenziell gefährliche Asteroiden abbauen und verkleinern, damit sie harmlos werden. Die Vorteile des Asteroidenbergbaus sind enorm: Neben Edelmetallen liefern viele Asteroiden auch Wassereis, das als Treibstoff für tiefer gelegene Weltraummissionen und als Trinkwasser bzw. Bewässerungswasser genutzt werden könnte. Dadurch würde die Abhängigkeit von Nachschubmissionen aus der Erde sinken und Missionen in der Lage sein, sich stärker zu selbst versorgen. Indem Bergbau und Herstellung in den zislunaren Raum und den Haupt-Asteroidengürtel verlegt würden, könnte Menschheit zudem die Umweltbelastung auf der Erde verringern.
Ausblick Missionen und Industrie China Tianwen‑2 und weitere Schritte
In naher Zukunft wird die chinesische Tianwen‑2‑Mission mit einem NEA und einem Kometen im Haupt‑Asteroidengürtel zusammentreffen. Obwohl es Jahrzehnte oder länger dauern könnte, bis eine Industrie für weltraumgestützte Ressourcen entsteht, gibt es viele, die bereit sind, bereits frühzeitig einzusteigen. In naher Zukunft wird die Tianwen‑2‑Mission Chinas mit einem NEA und einem Kometen im Haupt‑Asteroidengürtel zusammentreffen. Viele sehen darin den Anfang einer neuen Wirtschaftslandschaft im All. | Weitere Lektüre: CSIC, MNRAS | Dieser Artikel wurde ursprünglich von Universe Today veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.